Herren II: Nerven behalten, Klasse gehalten

Herren II: Nerven behalten, Klasse gehalten

Das war eine wahre Zittersaison: Fast bis zum letzten Ballwechsel mussten die Herren II in der Tennis-Hessenliga um den Klassenerhalt bangen. Erst der abschließende 5:4-Triumph über den starken Neuling KTC Bad Wilhelmshöhe sowie die gleichzeitige Niederlage des TV Buchschlag bei dem als Absteiger schon zuvor feststehenden TC Steinbach sorgten für Klarheit: Der FTC Palmengarten II hat das rettende Ufer erreicht. „Der Klassenerhalt war für uns wichtig. Wir brauchen für unsere Talente unterhalb der Bundesliga-Vertretung einen vernünftigen Unterbau“, sagte Cheftrainer Philipp Marx erleichtert. Höchstwahrscheinlich wäre der Klassenerhalt früher bewerkstelligt, wäre das Team – wie vorgesehen – von Sriram Balaji angeführt worden. Doch durch die Verletzung von André Begemann, der als Doppelspezialist in der Bundesliga-Mannschaft vorgesehen war, zeigte sich schnell, dass der seit Jahren im Club beheimatete und in Frankfurt lebende Inder für das Bundesliga-Team unverzichtbar ist. Ohne seine vier Erfolge im Doppel wäre der Klassenerhalt im Oberhaus nicht möglich gewesen.

Die junge Mannschaft hat es dank ihres Kampfgeistes auch so geschafft. Es gab kein Match, in dem der FTC Palmengarten chancenlos gewesen wäre. Selbst den Meister RW Sprendlingen konnte man an den Rand einer Niederlage bringen. Ausgerechnet in dieser Begegnung funktionierte die beste Waffe, das Doppel, nicht. 12:9 lautete die Doppelbilanz aus den sieben anderen Begegnungen, 0:3 im Match gegen Sprendlingen. Sechs der acht Begegnungen endeten 5:4, drei davon – bei Eintracht Frankfurt II, in Steinbach und gegen den KTC Bad Wilhelmshöhe – siegreich. Wichtig war, dass alle Spieler imstande waren, Punkte einzufahren.  Beste Punktesammler waren Filip Krolo und Vuk Radjenovic. Krolo (6:2 Einzel/5:3 Doppel) bezwang starke Gegner wie Julian Wörn/Eintracht, Jan Simon Vrbsky/Darmstadt, Tomas Pavlovsky/Steinbach, Oliver Tobisch/Rüsselsheim, sowie den Tschechen Mruzek/Sprendlingen. Der Serbe Radjenovic hätte die Runde von seinem spielerischen Potential her sogar ungeschlagen beenden können, verspielte aber mit jugendlichem Übermut und zu viel Power dreimal den Sieg. Mit 3:3 im Einzel sowie 5:1 im Doppel war er dennoch ein wichtiger Faktor im Team. Solide schlug sich der neu verpflichtete Argentinier Alejo Vilaro, der als Spitzenspieler sowohl im Einzel als auch im Doppel eine ausgeglichene Bilanz aufwies und in der letzten Begegnung sein bestes Einzel und Doppel spielte. Gut entwickelte sich auch der erst 16 Jahre junge Tom Sickenberger (3:3/2:3). Laurens Harnoth Manrubia und Jan-Henrik Paul punkteten stark im Doppel, während der junge Lennart Ostheimer zwar nicht oft, aber dafür im richtigen Moment erfolgreich war.

FTC Palmengarten II – RW Sprendlingen 4:5.

Wer vor den Doppeln auf die Anlage kam, konnte seinen Augen nicht trauen. Die nur zu fünft angetretenen Gastgeber (Jozo Aric kam erst nach 10 Uhr aus dem Urlaub zurück, da waren die Einzel bereits in vollem Gange) lagen gegen den haushohen Favoriten 4:2 vorne. Als einziger beugen musste sich Laurens Harnoth Manrubia, der – in einem sehr engen und hochklassigen Match – dem ein winziges Bruchstück besseren hessischen Shootingstar Vincent Marysko 4:6, 4:6 unterlag. Gute Nerven im entscheidenden Moment bewiesen der Argentinier Alejo Vilaro (7:5, 4:6, 10:8 gegen den seit Jahren erfolgreichsten Einser der Hessenliga, den Tschechen Matej Vocel), sowie der wie im bisherigen Saisonverlauf stets starke Filip Krolo, der taktisch clever agierende Jan-Henrik Paul (7:6, 6:3 gegen Tim Fischer) sowie Lennart Ostheimer, der einen hart erkämpften 1:6, 6:4, 10:8-Arbeitssieg gegen den sonst in der gesamten Runde ungeschlagenen Dominic Ducariu feierte. „Die Doppel haben wir nach dem Wunsch der Spieler aufgestellt“, sagte Marx, der vom ersten Doppel den siegbringenden Punkt erwartete. Doch Vilaro/Krolo, die gegen das starke Duo Vocel/Ducariu im Match-Tiebreak 3:0 und 5:2 führten, konnten viele erarbeitete Chancen nicht nutzen. Und so durften die Gäste doch noch jubeln.

FTC Palmengarten II – KTC Bad Wilhelmshöhe 5:4

Nun mussten es die Frankfurter gegen den starken Neuling aus Kassel richten, der als einziges Team ausschließlich mit deutschen Spielern antrat. Schade, dass die Partie der zu den größten hessischen Talenten gehörden Tom Sickenberger und Max Wiskandt nach dem von Tom im Tiebreak gewonnenen Satz wegen Magen-Darm-Problemen von Wiskandt abgebrochen werden musste. Sechs der acht beendeten Begegnungen wurden im Match-Tiebreak entschieden. Vilaro lag nach dem verlorenen ersten Satz ein Break gegen den Ex-Palmengarten-Spieler Benedikt Henning  zurück, spielte dann auf Geheiß von Philipp Marx druckvoller und variabler, was zum 3:6, 6:4, 10:4-Sieg führte. Harnoth Manrubia verspielte gegen den sehr offensiven Caspar Schütze einen 6:3, 4:1-Vorteil, lag aber im engen Match-Tiebreak ständig vorne, um dann mit einem Ass das 9:7 und mit einem cleveren Lob das 10:7 zu erzielen. Umgekehrt zeigte der bis dato nur einmal bezwungene Krolo gegen Can Franke unerwartete Schwächen. Und Lennart Ostheimer vergab im Match-Tiebreak vier Matchbälle, den ersten bei 9:8 mit einem Doppelfehler, was zu einer 6:7, 6:3, 12:14-Niederlage führte. „Diesmal habe ich die Doppel bei 3:3 nach Form aufgestellt. Vilaro/Krolo zeigten das erste Mal gemeinsam das, was ich von ihnen erwartete. Und das zweite Paar Sickenberger/Ostheimer habe ich als eine Bank auf der Rechnung gehabt, was die Jungs auch bestätigen konnten“, freute sich Chefcoach Marx.

Schlusstabelle: 1. RW Sprendlingen 14:2 Punkte, 46:26 Matches, 2. TEC Darmstadt 12:4, 46:26, 3. BW Wiesbaden 10:6, 36:36, 4. KTC Bad Wilhelmshöhe 8:8, 40:32 (Sätze 88:75), 5. TVH Rüsselsheim 8:8, 40:32 (84:80), 6. Eintracht Frankfurt II 6:10, 33:39 (76:83), 7. FTC Palmengarten II 6:10, 33:39 (81:94), 8. TV Buchschlag (Absteiger falls RW Sprendlingen nicht aufsteigt) 4:12, 30:42, 9. TC Steinbach (Absteiger) 4:12, 20:52. – Aus der Verbandsliga in die Hessenliga aufgestiegen: RW Sprendlingen II falls „Erste“ aufsteigt, sonst Sportwelt Rosbach sowie TK Langen).

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