Bundesliga Saisonende
Tennis Bundesliga, Herren:
Wenn die Match-Tiebreaks nicht wären…
Es ist schon so etwas wie eine Tradition: Der Deutsche Meister feiert seinen Titelgewinn in Frankfurt. Vor zwei Jahren jubelten die Herren des TC Bredeney Essen bereits vor den abschließenden Doppeln. Vor einem Jahr feierte auf der Anlage am Berkersheimer Weg der TC Großhesselohe München. Diesmal waren es wieder die Essener, die mit einem zwölf Mann starken Kader sowie zahlreichen Offiziellen angereist, nach dem 5:1-Sieg beim FTC Palmengarten auf die Meisterschaft anstoßen durften.
Für den FTC Palmengarten gab es hingegen in der laufenden Runde wenig Grund zur Freude. Mit 2:16 Punkten beendete das von Philipp Marx trainierte und gecoachte Team die Bundesliga als Schlusslicht. Sportlich sind die Frankfurter damit aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Einzige Hoffnung, die ihnen bleibt: Von den spielberechtigten zehn Teams wollen zwei nicht Bundesliga spielen, doch das wird sich sicher nicht sofort entscheiden.
Dabei war es nie so, dass man in einer Begegnung chancenlos gewesen wäre. Der TCP spielte immer auf Augenhöhe, am Ende jubelte aber stets der Gegner. Mit einer besseren Bilanz in den Tiebreaks wäre das positive Punktekonto viel praller gewesen. Doch wenn man vier von zwölf Tiebreaks und 14 von 19 Match-Tiebreaks verliert, gehen leider auch ausgeglichene Begegnungen verloren.
Dieser Trend wurde auch bei der Partie gegen den TC Bredeney bestätigt. Die Gastgeber hätten dem Team aus Essen die Feierlaune durchaus verderben können. Für die erste Überraschung sorgte Facundo Mena, der – den auf der ATP-Weltrangliste um 84 Plätze besseren Benjamin Hassan – in drei Sätzen besiegte. „Wichtig war, dass Facundo bei jedem Spielstand an sich geglaubt hat. Er hat sich stets an den von mir erarbeiteten Spielplan gehalten, hat im Match-Tiebreak sehr mutig agiert“, lobte Trainer Philipp Marx den Argentinier.
Bei Pedro Cachin war es das alte Lied. Zu Beginn spielte er stark, führte gegen Maximilian Marterer 5:3, musste aber nach drei verlorenen Spielen in Folge in den Tiebreak, den er 4:7 verlor. Danach wirkte er wie üblich nervös, ohne Selbstbewusstsein. Franco Agamenone war gegen Oscar Otte chancenlos. Der großgewachsene fünfmalige deutsche Daviscupspieler, vor drei Jahren noch Nummer 36 der Welt, spielt zwar kaum noch Turniere, ist aber für die Position vier in der Bundesliga überqualifiziert. Die 8:0-Bilanz spricht klar für den aufschlagstarken Otte.
Das Spitzenspiel zwischen Calvin Hemery und dem Niederländer Guy den Ouden bot den 550 Zuschauern viel Spannung; Klasse aber nur im ersten Satz. Im zweiten Durchgang ließ der Frankfurter Spieler konditionelle Mängel erkennen. Die Folge war eine Aufschlagquote von nur 30 Prozent sowie zahlreiche Fehler mit der eingesprungenen beidhändigen Rückhand. Zwar vermochte er einen 2:5-Rückstand noch auszugleichen, doch das war das letzte Aufbäumen. Allein im Match-Tiebreak (7:10) konnte der Franzose selbst nur zwei Punkte erzielen, die anderen fünf wurden ihm vom Gegner mit teilweise unerzwungenen Fehlern geschenkt.
In den Doppeln keimte noch einmal Hoffnung aufs Unentschieden auf. Beide Matches gingen in den Match-Tiebreak. Doch dass dann beide verloren wurden, passte zum Saisonverlauf.
FTC Palmengarten – TC Bredeney Essen 1:5. – Calvin Hemery (Frankreich) – Guy den Ouden (Niederlande) 6:4, 6:7, 7:10, Facundo Mena (Argentinien) – Benjamin Hassan 4:6, 6:3, 10:8, Pedro Cachin (Argentinien) – Maximilian Marterer 6:7, 2:6, Franco Agamenone (Argentinien) – Oskar Otte 3:6, 2:6, Mena/Cachin – Otte/Mats Moraing 1:6, 7:5, 6:10, Agamenone/Sriram Balaji (Argentinien/Indien) – Hassan/Alexander Erler 6:3, 4:6, 7:10.
Zum letzten Rundenspiel erschienen auf der Anlage des TC Großhesselohe knapp zwei Dutzend Unterstützer des Palmengarten-Teams, die sich teilweise auch aus ehemaligen Mannschafts- und Trainingskollegen von Jürgen Hackauff zusammen setzten. Die Schlussvorstellung war wiederum symptomatisch für den gesamten Saisonverlauf. Die mit 2:4 verlorene Begegnung beim entthronten Titelverteidiger TC Großhesselohe verlief zunächst ausgeglichen. Die Gäste hätten die Plätze in dem Münchener Vorort durchaus auch mit einem oder gar zwei gewonnenen Punkten verlassen können. Das mögliche Unentschieden hatten Marek Gengel/Sriram Balaji auf ihren Schlägern, doch nach dem gewonnenen ersten Satz mussten sie später in den Match-Tiebreak, in dem sie mit 4:10 unterlagen. Zuvor sorgten Calvin Hemery und Pedro Cachin in den Einzeln für eine zwischenzeitliche 2:1-Führung. Der Franzose bezwang in einem guten Match Justin Engel in drei Sätzen. Beide Spieler schlugen hervorragend auf, schlugen zahlreiche Asse, die Begegnung war sehr ausgeglichen. Am Ende spielte Hemery einen Tick kontrollierter als der sehr enttäuschte 17 Jahre junge deutsche Senkrechtstarter. Der während der gesamten Runde bis dahin ohne Selbstbewusstsein unter seinem Wert agierende Cachin zeigte gegen den Doppelspezialisten Karol Drzewiecki aus Polen endlich Mal zwei Sätze lang sein wahres Können. Während Facundo Mena diesmal einen schwächeren Tag erwischte, begann der mit harten, flachen und langen Schlägen gut punktende Tscheche Marek Gengel gegen den Österreicher Dennis Novak stark, konnte aber nach dem im ersten Satz unglücklich mit 7:9 verloren Tiebreak im zweiten Satz nicht mehr an seine Leistung anknüpfen.
TC Großhesselohe – FTC Palmengarten 4:2. – Justin Engel – Hemery (Frankreich) 6:7, 6:4, 8:10, Jozef Kovalik (Slowakei) – Mena (Argentinien) 6:3, 6:3, Dennis Novak (Österreich) – Marek Gengel (Tschechien) 7:6, 6:1, Karol Drzewiecki (Polen) – Cachin (Argentinien) 2:6, 3:6, Engel/Novak – Mena/Cachin 6:4, 6:2, Kovalik/Drzewiecki – Gengel/Sriram Balaji 6:4, 6:7, 10:4.
