HERREN II- Hessenliga

Nicht nur die Routiniers, auch die Talente stark

Mit etwas Glück hätten die Hessenliga-Herren schon nach dem ersten Doppelspieltag das Viertelfinale in trockenen Tüchern gehabt. In Bad Soden haben sie einen sicheren 7:2-Sieg gelandet, beim stärker eingeschätzten TVH Rüsselsheim unglücklich 4:5 verloren. Der junge Ivan Khosh hatte gegen Oliver Tobisch den erlösenden Gewinn auf dem Schläger, scheiterte aber in der Entscheidungsphase an Olis Erfahrung.

Bei dem mit vier Ausländern und einem vom TC Palmengarten im Winter verlassenen Trio angetretenen TVH Rüsselsheim war das junge Team bei der 4:5-Niederlage einem unerwarteten Sieg ganz nah. Ein überragendes Match spielte der Inder Sriram Balaji, der den starken Schweizer Adrian Bodmer bezwang. „Das beste Spiel, das ich von ,Bala‘ je gesehen habe. Er hat traumhaft aufgeschlagen, spielte sehr offensiv und machte gegen einen starken Gegner kaum Fehler“, schwärmte Team-Kapitän Constantin Schmitz. Ihm selbst war im Match gegen den Rumänen Nicolae Frunza die durch eine Corona-Erkrankung entstandene fehlende Matchpraxis anzumerken. „Im 2. Satz ging es schon besser. Da habe ich meinen Rhythmus gefunden.“

Für die größte Überraschung sorgte der erst 18-jährige Lennart Ostheimer, der gegen seinen ehemaligen Vereinskollegen und Profi Niklas Zielen 7:6, 5:2 vorne lag, als sein Widersacher zu diesem späten Zeitpunkt überraschend aufgab. „Das war eine Kopfsache. Lenni blieb lange in den Ballwechseln, was Niklas nicht behagte. Er wurde ungeduldig, machte Fehler“, kommentierte das Match Constantin Schmitz. Der junge Russe Ivan Khosh ließ Oliver Tobisch im ersten Satz mit einem munteren, aggressiven Tennis recht alt aussehen. Danach spielte Oli aber seine ganze Routine aus.

Das beste Match des Tages gab es im ersten Doppel, das Schmitz/Balaji durch taktische Umstellung für sich entschieden. „Wir haben gesehen, dass sich die Gegner auf uns eingestellt hatten. Deshalb haben wir Mitte des zweiten Satzes unsere Stellung verändert, den Gegner damit total irritiert und aus dem Rhythmus gebracht.“ Auch der Sieg der beiden 21 Jahre jungen Hasenkopf und Khosh gegen das ehemalige Palmengarten-Paar Oliver Tobisch/Yannick Schmidl war nicht zwingend zu erwarten.

TVH Rüsselsheim – FTC Palmengarten II 5:4

Nicolae Frunza/Rumänien – Constantin Schmitz 6:1, 6:4

Adrian Bodmer/Schweiz – Sriram Balaji/Indien 4:6, 6:7

Deni Zmak/Kroatien – Mariano-Alberto Hasenkopf 6:3, 6:2

Oliver Tobisch – Ivan Khosh/Russland 3:6, 6:3, 10:2

Niklas Zielen – Lennart Ostheimer 6:7, 2:5, Aufgabe Zielen

Kajin Karlo/Kroatien – Jozo Aric 6:2, 6:2

Frunza/Bodmer – Schmitz/Balaji 6:3, 6:7, 5:10

Tobisch/Yannick Schmidl – Hasenkopf/Khosh 2:6, 2:6

Zmak/Karlo – Tim Ostheimer/Lennart Ostheimer 6:2, 6:2

Tags drauf fuhr das Team als Favorit nach Bad Soden; bis sich herausstellte, dass der Neuling seinen beiden – von einem Turnier in Dänemark nach Hause fliegenden – Franzosen einen Zwischenstopp finanzierte. „Als wir ihre Namen auf dem Spielbericht lasen, rechneten wir uns kaum etwas aus“, gestand der Kapitän. Doch Namen sind das eine, die Ergebnisse das andere. Jedes Match muss erst einmal gespielt werden. Der aggressiv spielende Schmitz bezwang nach einer erheblichen Steigerung gegenüber Samstag überraschend Paul Valsecchi. „Ich habe seine Aufschläge sicher returniert, wurde meinerseits nie gebreakt. Im zweiten Satz habe ich das Spiel sogar dominiert“, sagte Constantin. Noch unerwarteter kam, dass der junge Taym Al Azmeh den nach der Papierform klar favorisierten zweiten Franzosen Matthieu Perchicot besiegte. Der 18-Jährige schlug gut auf, bewegte sich extrem gut und spielte sowohl die Vor- als auch Rückhand sehr aggressiv. Während Mariano gegen den starken Patrick Elias chancenlos war, fing Ivan gegen den routinierten Bad Sodener Club-Trainer Peter-Hendrik Wilk stark an und konterte immer wieder erfolgreich mit harten Schlägen. Im zweiten Satz wurde er dann aber zwischendurch zu defensiv. Zum Glück besann er sich rechtzeitig zum Match-Tiebreak wieder auf seine Stärken. Erneut überzeugen konnte der flinke Lennart Ostheimer, der seinen Gegner im Verlauf der langen Ballwechsel immer wieder zu Fehlern zwingen konnte.

Als nach den Einzeln der Sieg bereits feststand, war die Freude riesig. Aber das Team war noch nicht satt. Bala und Taym machten mit den Gegnern kurzen Prozess, gaben kein einziges Spiel ab. Und auch Constantin unterstrich an der Seite von Hasenkopf seine Doppelstärke, so dass am Ende ein unerwarteter 7:2-Triumph heraussprang.

BW Bad Soden – FTC Palmengarten II 2:7

Paul Valsecchi/Frankreich – Constantin Schmitz 4:6, 1:6

Goran Tufekcic – Sriram Balaji/Indien 3:6, 1:6

Matthieu Perchicot/Frankreich – Taym Al Azmeh 2:6, 6:7

Patrick Elias – Mariano-Alberto Hasenkopf 6:1, 6:2

Peter-Hendrik Wilk – Ivan Khosh/Russland 2:6, 6:2, 7:10

Finn Unger – Lennart Ostheimer 3:6, 1:6

Tufekcic/Unger – Balaji/Al Azmeh 0:6, 0:6

Valsecchi/Daniel Reddmann – Schmitz/Hasenkopf 3:6, 3:6

Percicot/Dittmann – Khosh/Lennart Ostheimer 6:3, 6:1.

Weiter spielten: TEC Darmstadt – SC 80 Frankfurt 8:1, TEC Darmstadt – TVH Rüsselsheim 5:4, TC Bergen-Enkheim – BW Bad Soden 8:1, SC 80 Frankfurt – TC Bergen-Enkheim 2:7.

Tabelle, Gruppe B: 1. TC Bergen-Enkheim 4:0 Punkte, 15:3 Matches, 2. TEC Darmstadt 4:0, 13:5, 3. FTC Palmengarten II 2:2, 11:7, 4. TVH Rüsselsheim 2:2, 9:9, 5. BW Bad Soden 0:4, 3:15, 6. SC 80 Frankfurt 0:4, 3:15.

Am kommenden Wochenende warten auf den FTC Palmengarten II gegen die beiden einzigen bisher ungeschlagenen Teams zwei schier unlösbare Aufgaben. Am Samstag (10 Uhr) gastiert am Berkersheimer Weg Spitzenreiter TC Bergen-Enkheim, 24 Stunden später der von Murkel Dellien, dem Bruder des früheren TCP-Spitzenspielers Hugo Dellien, angeführte TEC Darmstadt. Beide Widersacher zählen zu den Aufstiegsaspiranten. Ob Palmengarten wie im Vorjahr das Viertelfinale erreicht oder in die Abstiegsrunde muss, wird sich voraussichtlich erst am letzten Gruppen-Spieltag beim SC 80 Frankfurt entscheiden.