Ungeschlagener Tabellenführer

Cerúndolo begeistert die Fans
Er kam, sah und siegte: Der 24 Jahre alte Argentinier Juan Manuel Cerúndolo begeisterte die hessischen Tennis-Fans. Zweimal trat die aktuelle Nummer 48 der Welt für den TC Palmengarten an. Sowohl bei dem 8:1 über den TLZ Espenhain als im gestrigen 7:2 gegen den Wiesbadener THC gewann er souverän seine Einzel und glänzte auch in den Doppeln an der Seite seines Landsmannes Facundo Mena. Cerúndolo zeigte den Fans, warum er zu den besten 50 Spielern der Welt zählt. Der Satz, „solches Tennis haben wir hier noch nie gesehen“, wurde auf der Anlage im Wiesbadener Nerotal häufig gehört. Ähnlich schwärmten die Besucher des Heimspiels gegen Espenhain, bei dem er Stefan Popovic 6:1, 6:0 bezwang. Auch wenn das Match einseitig verlief, war die Vorstellung des Achtelfinalisten der French Open allein schon das Eintrittsgeld wert. „Wir sind sehr froh, dass er uns zweimal hilft. Das ist keine Selbstverständlichkeit, dass Spieler aus den Top-50 in der Bundesliga spielen, in der 2. Liga ist es eine absolute Seltenheit“, so Trainer Philipp Marx, der von der Leistung des Argentiniers ebenso wie die Zuschauer begeistert war. „Es war sensationell, ihn spielen zu sehen. Schade, dass es so schnell ging. Ich hätte ihm gern länger zugeschaut. Er ist wie eine gut geölte Maschine. Absolut zuverlässig und spielt eine tolle Vorhand“, lobte Marx den Linkshänder, dem auch sein hoffnungslos unterlegene Gegner Anerkennung zollte. „Ich habe noch nie gegen einen Spieler solchen Kalibers gespielt. Egal, was ich versucht hatte, er machte so gut wie nie einen Fehler“, sagte der in der Tennis Academy bei Alexander Waske ausgebildete Serbe Stefan Popovic, der vor einigen Jahren im Junioren-Team des TC Palmengarten spielte.
In Wiesbaden wartete auf den Argentinier, der mit drei Jahren in der Tennisakademie seines Vaters Alejandro Tennis zu spielen begann, ein anderes Kaliber. Der Österreicher Sandro Kopp zählt immerhin zu den besten 300 Spielern der Welt. Wissend, dass er nichts zu verlieren hat, lieferte er Cerúndolo einen guten Kampf. Oft dachte man, die langen hochklassigen Grundlinienduelle seien ausgeglichen, doch die Vorhand des Argentiniers mit unglaublicher Länge, seine Übersicht und die minimale Fehlerquote führten zu einem ungefährdeten 6:2 6:3 Sieg.
Der zweite Spieler, der viel zur guten Unterhaltung beitrug, war der Franzose Calvin Hemery. Beim Heimspiel verlor er das Duell der „Zweier“ gegen den Tschechen Matyas Cerny 6:7, 6:7. Es war ein sehr variables Match, in dem beide Protagonisten mit Köpfchen spielten. Letztendlich entschied die deutlich geringere Anzahl der unforced Errors zu Gunsten des überglücklichen Tschechen. „Ich habe mit einem Sieg nie und nimmer gerechnet. Wir haben schon einmal bei einem Turnier gegeneinander gespielt. Ich war der Qualifikant, Hemery der topgesetzte Spieler. So ging es damals auch aus“, sagte Cerny. „Wir haben einige Verletzte, andere haben abgesagt. Sicher wollten wir um jeden Punkt kämpfen, doch nach Frankfurt kamen wir hauptsächlich, um in den Genuss zu kommen, gegen Stars anzutreten und von ihnen zu lernen. Da ich wusste, dass wir als Mannschaft chancenlos sind, konnte ich völlig unbeschwert aufspielen. Hemery war nicht so druckvoll wie sonst, ich habe ihn zu einigen Fehlern gezwungen. Für mich war es ein bezahltes Sparring, wobei es durch die Siegprämie für mich sogar ein unerwartet gut bezahltes wurde“, erklärte Cerny.
Auch in Wiesbaden sah es danach aus, dass der Franzose erneut in zwei Tibreaks den Kürzeren ziehen würde. Die Zuschauer sahen zwei sehr unterschiedliche Spielertypen. Hemery war der Spieler mit der größeren Power, der mehrfache Hessenmeister Kai Wehnelt wiederum der variablere. Mit ersten Aufschlägen konnte der Franzose punkten, doch die Quote seiner ersten Aufschläge war zu gering. Erfolgreich war Hemery mit druckvollen Vorhandschlägen. Wehnelt schlug mindestens 15 Asse, ein Ass gelang ihm sogar mit dem überraschenden Aufschlag von unten. Er punktete häufiger als sein Gegenüber am Netz, war auch mit seinen Stopps erfolgreich. Im Satztiebreak führte der fünfte Doppelfehler Hemery´s zu dem Verlust des ersten Satzes. Nach einem Doppelfehler von Wehnelt und einem umstrittenen Ball wirkte Hemery wie verwandelt und konnte den 2. Satz im Tiebreak 7:5 gewinnen. Den Match-Tiebreak gewann der dominierende Hemery.
Doch der Erfolg der Mannschaft resultiert nicht nur aus Siegen der Spitzenspieler. Wichtig – auch im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf, wenn die südamerikanischen Stars Ignacio Buse, Juan Manuel Cerúndolo sowie Tomas Barrios Vera im Übersee aufschlagen werden – ist die Leistung der dahinter stehenden Spieler. Und dass sie das Können besitzen, um dem TC Palmengarten den erhofften Aufstieg ins Oberhaus zu bescheren, haben sie einmal mehr eindrucksvoll gezeigt. Andrea Collarini, Facundo Mena, Hessenmeister Florian Broska sowie der Trainingspartner von Novak Djokovic, der sympathische Spanier Mario Vilella Martinez, gewannen nach hartem Widerstand geschlossen alle Einzel. Collarini hatte mit Jeffrey von der Schulenburg einen starken Gegner, den er dank einer großen Steigerung ab dem zweiten Satz bezwang. Ähnlich erging es Vilella Martinez. Im ersten Satz war er noch oft zu spät am Ball, doch nachdem er sich auf das schnelle Spiel des Niederländers Mick Veldheer besser eingestellt hatte, brachte er die Partie mit guten Aufschlägen und einer intelligenten Spielweise sicher nach Hause. Eng ging es auch zwischen dem Argentinier Facundo Mena und dem Wiesbadener Nico Hipfl zu. „Der Österreicher spielte 20 Minuten lang über seine Verhältnisse, konnte dies aber nicht durchhalten. Und ,Facu‘ hat mit seiner großen Routine dann das Match kontrolliert“, schilderte TCP-Teamchef Jürgen Hackauff das Match.
Mit 5:0 Siegen und 33:12 Matchpunkten bleibt der FTC Palmengarten in der 2. Tennis-Bundesliga das Maß aller Dinge. Am kommenden Wochenende kommen zwei Teams aus dem Mittelfeld der Tabelle nach Frankfurt. Am Freitag (13 Uhr) der TC Ruhla, am Sonntag (11 Uhr) dann der Nachbar TC Bad Vilbel. Am Sonntag trafen diese beiden Teams in Bad Vilbel aufeinander. Das Team aus Thüringen setzte sich mit 5:4 durch.






















